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28. April 2026, 9:00-16:30 Uhr:Fachtag: Ankommen ist mehr als bleiben

Psychische Gesundheit geflüchteter Kinder und Jugendlicher als Querschnittsaufgabe

Erbacher Hof, Grebenstraße 24-26, 55116 Mainz

Geflüchtete Kinder und Jugendliche wachsen zwischen Herkunfts- und Ankunftskultur auf, unter Bedingungen die von Brüchen und belastenden Erfahrungen geprägt sind. Diese Lebensrealität eröffnet Chancen – sie bringt jedoch auch besondere Herausforderungen mit sich. Damit junge Menschen in dieser Situation Sicherheit, Orientierung und faire Zukunftsperspektiven erhalten, braucht es gemeinsames Handeln. Eine nachhaltige Förderung geflüchteter Kinder und Jugendlicher erfordert eine abgestimmte und verlässliche Zusammenarbeit von Bildung, Jugendhilfe, Gesundheitswesen, Zivilgesellschaft und Politik. Neben zwei Fachvorträgen und der Vorstellung bewährter Praxisansätze steht bei der Veranstaltung der fachliche Austausch ebenso im Mittelpunkt wie der Aufbau regionaler Vernetzungsstrukturen.

Der Fachtag findet erstmals in dieser interdisziplinären Kooperation von der Fachstelle interkulturelle psychosoziale Gesundheit, der AG Flucht und Trauma sowie den Ministerien für Gesundheit, Integration und Bildung statt und setzt damit ein klares Zeichen für gemeinsame Verantwortung und gebündelte fachliche Expertise.

 

Zielgruppe
Psychotherapeut:innen, Lehrer:innen, Sozialarbeiter:innen, Jugendamtsmitarbeiter:innen, Schulpsycholog:innen, Ärzt:innen, Mitarbeiter:innen der Gesundheitsämter, Mitarbeiter:innen der Sozialämter, Interessierte, ...

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei.

Anmeldeschluss ist der 14.04.2026

Die Veranstaltung wird als Lehrkräftefortbildung anerkannt, sowie von der Landespsychotherapeutenkammer zertifiziert. (angefragt)

 

Wir weisen darauf hin, dass während der Veranstaltung Fotos und Bildaufnahmen zur Veröffentlichung im Zuge der Nachberichterstattung und ggf. Bewerbung zukünftiger Veranstaltungen gemacht werden. Mit Ihrer Anmeldung stimmen Sie der Nutzung des Materials für genannte Zwecke zu. Die Organisatoren behalten sich Anpassungen an den Teilnehmendenlisten vor. 

Tagungsablauf

Begrüßung durch die Moderation Janboris Ann-Katrin Rätz

Begrüßung durch Simone Ebner, AG Flucht und Trauma

Grußwort Dr. Daniel Asche, Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration

Grußwort Sabine Maur, Präsidentin der Landespsychotherapeutenkammer RLP

Aufwachsen im Spannungsfeld der Kulturen. Psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen mit Flucht- und Migrationshintergrund

Prof. Dr. med. Renate Schepker, Ärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie

“In der Fachliteratur wird Migration als möglicher Risikofaktor für psychische Belastungen beschrieben – insbesondere dann, wenn sie mit Diskriminierung, dem Erleben von Ohnmacht oder Unzulänglichkeit sowie mit Traumatisierungen verbunden ist. Studien zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Einwanderungsgesellschaften zeigen, dass nicht die Migration an sich ausschlaggebend ist. Entscheidend sind vielmehr die sozialen Rahmenbedingungen und spezifischen Belastungskonstellationen im Kontext von Flucht, Migration und Integration im Aufnahmeland. Ungünstige Lebensbedingungen, soziale Ausgrenzung oder unsichere Perspektiven können das Risiko für psychische Störungen erhöhen. Zudem besteht eine enge Wechselwirkung zwischen dem psychischen Befinden der Eltern und der psychischen Gesundheit ihrer Kinder. Elterliche Belastungen, insbesondere unverarbeitete Traumaerfahrungen oder chronischer Stress, wirken sich häufig direkt oder indirekt auf die kindliche Entwicklung aus. Die präventive Förderung der psychischen Gesundheit junger Menschen mit Migrationsgeschichte ist daher eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe. Um diese Zusammenhänge stärker zu berücksichtigen, braucht es mehr Sensibilisierung im öffentlichen sowie im gesundheits- und sozialpolitischen Bereich. Fachkräfte können hierzu durch kultursensible und strukturell reflektierte Praxis wesentlich beitragen.”

Geflüchtete Jugendliche - „gefährdet oder gefährlich?“

Bernd Holthusen, Dipl.-Politologe

„Straftaten junger Geflüchteter erfahren regelmäßig hohe mediale Aufmerksamkeit. In der Folge kann in der Öffentlichkeit schnell ein – bezogen auf die gesamte Gruppe junger Geflüchteter – falsches Bild entstehen. Zur Versachlichung der Diskussion werden grundlegende kriminologische Erkenntnisse über Delinquenz und Viktimisierung im Kindes- und Jugendalter referiert. Auf dieser Basis werden aktuelle Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik präsentiert und eingeordnet. Vor dem Hintergrund der spezifischen Lebenslagen junger Geflüchteter in Deutschland werden abschließend Herausforderungen für die Kriminalitätsprävention und die Kinder- und Jugendhilfe diskutiert.“

Gemeinsames Mittagessen vor Ort.

Forenauswahl

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Forum 1: Schutzraumangebot im Schulalltag – Raum für Halt, Entwicklung und Zugehörigkeit

Psychosoziales Zentrum Rhein-Mosel-Ahr, Caritasverband Rhein-Mosel-Ahr e.V. 

Seit zehn Jahren bietet das Psychosoziale Zentrum Rhein-Mosel-Ahr niederschwellige Gruppenangebote für Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrung an. In einem geschützten, professionell begleiteten Rahmen stehen die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen im Vordergrund.

In einem Pilotprojekt wurde dieses Schutzraumkonzept für Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrungen in den Schulalltag einer Realschule plus übertragen. Ziel ist es, Schulen die Möglichkeit zugeben, einen sicheren Ort anzubieten, an dem belastende Erfahrungen aufgegriffen und begleitet werden können.

Das Forum stellt das schulbasierte Gruppenprojekt vor und beleuchtet seine Wirkung auf Kinder und Schulgemeinschaft.

 

Forum 2: Perspektivenwechsel – Lebensrealität von männlichen Geflüchteten

Marcel Kaya, Systemischer Deeskalationscoach 

Die Arbeit mit geflüchteten Jungen & Männern stellt Sozialarbeiter*innen und Betreuungspersonen vor besondere Herausforderungen. Oft sind ihre Erfahrungen von Flucht, Verlust, Identitätskonflikten und gesellschaftlichen Erwartungen geprägt, was sich auf ihre Integration und ihr Wohlbefinden auswirkt. Dabei wird häufig übersehen, wie viel Druck durch die Anforderungen an das Männerbild entsteht.

In diesem Workshop, der durch die langjährigen Erfahrungen des Referenten im Heros Projekt inspiriert wurde, erhalten die Teilnehmenden einen praxisnahen Einblick in die Lebensrealitäten geflüchteter Männer. Durch Fallbeispiele, interaktive Methoden und Reflexionsübungen werden zentrale Themen wie Männlichkeitsbilder, Trauma, Diskriminierung sowie soziale und kulturelle Anpassungsprozesse beleuchtet.

Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für die Bedürfnisse und Herausforderungen dieser Zielgruppe zu entwickeln und eine veränderte Perspektive einzunehmen, um eine kultursensible und empowernde Begleitung zu ermöglichen.

 

Forum 3: Radikalisierung - Einblicke in ein komplexes Phänomen

Beratungsstelle SALAM gegen islamistische Radikalisierung in Rheinland-Pfalz

Was ist Radikalisierung? Woran erkenne ich, ob sich jemand radikalisiert und wie damit umgehen? An wen kann ich mich wenden, wenn ich den Verdacht habe, dass sich jemand aus meinem Umfeld radikalisiert? 

Das Forum versucht darauf Antworten zu geben, indem verschiedene Dimensionen von Radikalisierung thematisiert und dabei insbesondere radikalisierungsbegünstigende Faktoren aufgezeigt werden. 

Weiter wird der Blick auf islamistische Akteure und Gruppierungen sowie deren Methoden gelenkt, und aufgezeigt, warum diese eine starke Attraktivität für Menschen in ihren individuellen Lebenslagen haben können. 

 

Forum 4: Verrückt? Na und! Psychisch fit in der Schule. Ein Präventionsprogramm für Jugendliche - auch mit belastenden Erfahrungen

gpe (Gesellschaft für psychosoziale Einrichtungen) gGmbH 

Im schulischen Kontext treffen Kinder und Jugendliche mit den verschiedensten Hintergründen und Lebensgeschichten aufeinander. 75% aller psychischen Erkrankungen beginnen vor dem 24. Lebensjahr, 50% vor dem 14. Lebensjahr. 20% der Schüler:innen durchleben psychische Störungen. Aus unserer Erfahrung ist die Schule der ideale Ort, um alle Jugendlichen erreichen zu können. Wir machen mit unserem Präventionsprogramm psychische Krisen klassenweise besprechbar, reduzieren Stigma, Ängste und Vorteile, vermitteln Zuversicht und Lösungswege und zeigen, wie Schüler:innen und Lehrkräfte gemeinsam Krisen meistern und seelische Gesundheit stärken können, damit die Lebenswelt Schule zu einer gesunden Entwicklung beitragen kann. Im Konzept des Präventionsprogramms sind Erfahrungsberichte von Menschen mit Krisenerfahrung inkludiert. Sie berichten, wie sie mit belastenden Situationen umgegangen sind, was Ihnen in dieser Zeit geholfen hat. Gemeinsam werden Vorurteile abgebaut und das Verständnis füreinander gestärkt. Die Schüler:innen erarbeiten, wie sie sich gegenseitig unterstützen können. Die Schüler:innen, die noch keine oder auch schon selbst belastende Erfahrungen gemacht haben, erleben oft in diesem geschützten Rahmen die Möglichkeit, eine neue Perspektive auf die eigene Geschichte oder die Geschichte der anderen Jugendlichen einzunehmen. Das Handlungsrepertoire wird erweitert und Schwellenängste gegenüber Unterstützungsangeboten abgebaut.

In dem Forum wird das Präventionsprogramm, auch unter dem Aspekt der Jugendlichen mit Fluchterfahrung, vorgestellt.

 

Forum 5: Brückenfrauen als Schlüsselakteurinnen kultursensibler (psychosozialer) Versorgung

Psychosoziales Zentrum Westpfalz, DRK Kreisverband Kaiserslautern-Stadt e.V.

Geflüchtete Frauen, die in familiären und kulturellen Parallelstrukturen leben, können selbst nach Jahren häufig vom regulären Hilfesystem ausgeschlossen bleiben. Klassische Angebote erreichen dieses hochvulnerable Klientel oftmals nicht oder zu spät.

Das Brückenfrauen-Projekt des Psychosozialen Zentrums Westpfalz folgt einem systemisch-kultursensiblen Ansatz. Psychisch stabile, integrierte Frauen mit Migrationshintergrund übernehmen als sogenannte Brückenfrauen eine professionell begleitete Schlüsselrolle in der Kontaktanbahnung, Stabilisierung und nachhaltigen Einbindung isoliert lebender geflüchteter Frauen in (psychosoziale) Versorgungsstrukturen. Sie agieren an der Schnittstelle zwischen Familiensystem, Community und Fachstellen und ermöglichen so niedrigschwellige Zugänge, ohne die Frauen zu überfordern oder bestehende Loyalitätskonflikte zu verschärfen. Das Forum zeigt wie diese Strukturen aufgebaut und in verschienden Kontexten umgesetzt werden können.

 

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Regionalgruppen

Die Gruppen dienen dem konkreten Erfahrungsaustausch und sollen einen Beitrag zur regionalen Vernetzung leisten.

Bitte wählen Sie vor Ort Ihre Regionalgruppe passend zu Ihrem Landkreis aus (z.B. Landkreis Mayen Koblenz gehört zur Regionalgruppe PSZ Rhein-Mosel-Ahr).

PSZ Rhein-Mosel-Ahr

PSZ Trier

PSZ Westerwald

PSZ Westpfalz

PSZ Mainz

PSZ Pfalz

 

Was ist eigentlich ein PSZ?

https://www.baff-zentren.org/faq/wie-arbeiten-psychosozialen-zentren/ 

Adressen der rheinland-pfälzischen PSZ

https://www.caritas-rhein-mosel-ahr.de/interkult-rlp/adressen/ 

Awareness

Der Fachtag soll einen respektvollen, diskriminierungsfreien und sicheren Austausch ermöglichen. Alle Teilnehmenden verpflichten sich  zu einem respektvollen und wertschätzender Umgang miteinander. Diskriminierung, Belästigung, herabwürdigende Äußerungen sowie jede Form von Grenzüberschreitung werden nicht toleriert. Die persönlichen Grenzen anderer sind zu achten; Konsens ist Grundlage jeder Interaktion. Unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und Lebensrealitäten sind mit Respekt zu behandeln. Bei Konflikten, Unsicherheiten oder Grenzverletzungen kann das Awareness-Team jederzeit vertraulich angesprochen werden.

Mitveranstalter sind:

Die AG Flucht und Trauma ist der Zusammenschluss der sechs Psychosozialen Zentren in Rheinland-Pfalz.

Kooperationspartner sind:

Es gibt noch freie Plätze

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Datenschutz *
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Die Fachstelle in Trägerschaft des Caritasverbands Rhein-Mosel-Ahr e.V. wird gefördert vom Land Rheinland-Pfalz.