Frauen in Weiß

16.2.2021 | Weiß wurde und wird von Frauen weltweit über Jahrzehnte hinweg als Symbolfarbe gewählt. Verbunden wird die Wahl der Farbe für die Kleidung der Frauen mit Begriffen wie Frieden und ziviler, gewaltfreier Widerstand gegen Menschenrechtsverletzungen. Frauen setzen die weiße Kleidung gezielt ein, um nach ihrer Ansicht auf das Phänomen des „Machismo“ aufmerksam zu machen. Und um es gleichzeitig zu bekämpfen und somit die Stellung von Frauen zu stärken sowie Gleichberechtigung zu erzielen. — Mit „Machismo“ ist die durch starke Überlegenheitsgefühle und Herrschaftsansprüche gegenüber der Frau gekennzeichnete Einstellung des Mannes gemeint (siehe Meyers Grosses Taschenlexikon, Bd. 13, S. 263). Exemplarisch sei die Bewegung der „Damen in Weiß“ in Kuba genannt. Diese Frauen setzen sich für die Beachtung der Menschenrechte in ihrem Land ein. Mitbegründerin Laura Pollán (geboren 1948, gestorben 2011) war eine prominente Menschenrechtsaktivistin, die sich u.a. für die Freilassung politischer Gefangener in Kuba einsetzte. Nach dem Sonntagsgottesdienst starteten die Frauen ihre regelmäßigen Schweige- märsche. Die weiße Kleidung stand nach ihrem Verständnis sowohl für Frieden als auch für die Unschuld ihrer verhafteten Männer und Söhne. In den Händen trugen sie Gladiolen. Das Europaparlament verlieh der Bewegung im Juni 2006 den Sacharow-Preis. Weitere Auszeichnungen waren u.a. 2011 „Verteidiger der Menschenrechte“ des US- Außenministeriums oder im Mai 2013 den „Václav-Havel-Preis für kreativen Dissens“ der Human Rights Foundation. de.wikipedia.org/wiki/Damen_in_Weiß Leymah Gbobwee wurde am 01.02.1972 in Monrovia, Liberia, geboren. Als Bürgerrechtlerin und Politikerin engagierte sie sich in unterschiedlichster Form. Mit ihrer überkonfessionellen Bewegung organisierte sie ein dreitägiges Seminar mit der Themenstellung „Auf welche Art und Weise Frauen selbst im Krieg für Frieden sorgen können“. Als Grundlage dienten Textstellen aus dem Koran und der Bibel. An einem Tag wurden christliche, am anderen Tag die moslemischen Frauen eingeladen. Sie befragte die Frauen, was sie von der jeweils anderen Gruppe denke. Es kam zu einem dritten gemeinsamen Tag und hierbei stellen die Frauen fest, „dass ihre unterschiedliche Religionszugehörig- keit kein Problem für die Zusammenarbeit darstellen sollte. Gemeinsam verfolgten sie das Ziel, sich für den Frieden in Liberia einzusetzen. Die mutigen Frauen initiierten Protestgesänge, öffentliche Gebete und tägliche Sit-ins auf den Markt- plätzen Monrovias.“ Als Zeichen des gewaltfreien Protestes kleideten sich die Mütter und Frauen ganz in weiß. Zeichen ihres Friedenswillens, der Reinheit und gegen brutale Übergriffe. friedensbildung.de/inhalt-der-ausstellung/liberia/frauen-in-weiss/ de.wikipedia.org/wiki/Leymah_Gbowee Ellen Johnson Sirleaf, geb. 29.10.1938 in Monrovia, eine in Harvard ausgebildete Wirtschaftsexpertin, wurde 2006 als erste freigewählte Präsidentin Liberias gewählt. Damit übernahm sie eine überaus schwierige Aufgabe, zumal zunächst der Fokus ihrer Arbeit die Aufarbeitung der Schreckenstaten des Bürgerkrieges war. In die von ihr ins Leben gerufene „Wahrheits- und Versöhnungskommission“ berief sie u.a. auch Leymah Gbowee. 2011 erhielten beide Frauen für ihren „Gewaltfreien Kampf für Sicherheit von Frauen und Frauenrechte“ den Friedensnobelpreis. Mit ihnen wurde ebenso der Aktivistin und Journalistin Tawakkul Karmann aus dem Jemen diese Ehre zu Teil. de.wikipedia.org/wiki/Ellen_Johnson_Sirleaf Als ein jüngeres Beispiel aus der Geschichte sei ein Ereignis aus den USA im Jahre 2019 genannt. Die Repräsentantinnen der Demokraten im US-Kongress kleideten sich in Weiß. U.a. wollten sie damit an die Einführung des allgemeinen Wahlrechts vor ca. 100 Jahren in den USA erinnern. Damals trugen die Frauen die Kleiderfarbe weiß, um bei ihren Protesten für das Wahlrecht für Frauen mehr Aufmerksamkeit zu erzielen. Im Jahr 1968 wurde die erste Abgeordnete mit afroamerikanischer Herkunft in den Kongress gewählt. Shirley Chisholm ( geb. 1924, gest. 2005) trat in weiß gekleidet ihr Amt an. Sie übte ihr Mandat 14 Jahre lang aus. Derzeit sind ca. 25% der Mitglieder im Kongress weiblich. Bis heute gilt Weiß als Symbolfarbe für die Frauenrechtsbewegung. Eine Veröffentlichung des Projekts „Gemeinsam AKTIV“ Ansprechpartnerin für diesen Artikel: Irmgard Hillesheim | Tel. 02632 — 25 02-26 | hillesheim-i@caritas-andernach.de
Foto: Hvd69 | CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons
Foto: Antonio Cruz/ABr | CC BY-SA 3.0 BR via Wikimedia Commons

Frauen in Weiß

16.2.2021 | Weiß wurde und wird von Frauen weltweit über Jahrzehnte hinweg als Symbol- farbe gewählt. Verbunden wird die Wahl der Farbe für die Kleidung der Frauen mit Begriffen wie Frieden und ziviler, gewaltfreier Widerstand gegen Menschenrechts- verletzungen. Frauen setzen die weiße Kleidung gezielt ein, um nach ihrer Ansicht auf das Phänomen des „Machismo“ aufmerksam zu machen. Und um es gleichzeitig zu bekämpfen und somit die Stellung von Frauen zu stärken sowie Gleichberechtigung zu erzielen. — Mit „Machismo“ ist die durch starke Überlegen- heitsgefühle und Herrschaftsansprüche gegenüber der Frau gekennzeichnete Einstellung des Mannes gemeint (siehe Meyers Grosses Taschenlexikon, Bd. 13, S. 263). Exemplarisch sei die Bewegung der „Damen in Weiß“ in Kuba genannt. Diese Frauen setzen sich für die Beachtung der Menschen- rechte in ihrem Land ein. Mitbegründerin Laura Pollán (geboren 1948, gestorben 2011) war eine prominente Menschenrechts- aktivistin, die sich u.a. für die Freilassung politischer Gefangener in Kuba einsetzte. Nach dem Sonntagsgottesdienst starteten die Frauen ihre regelmäßigen Schweige- märsche. Die weiße Kleidung stand nach ihrem Verständnis sowohl für Frieden als auch für die Unschuld ihrer verhafteten Männer und Söhne. In den Händen trugen sie Gladiolen. Das Europaparlament verlieh der Bewegung im Juni 2006 den Sacharow-Preis. Weitere Auszeichnungen waren u.a. 2011 „Verteidiger der Menschenrechte“ des US-Außen- ministeriums oder im Mai 2013 den „Václav- Havel-Preis für kreativen Dissens“ der Human Rights Foundation. de.wikipedia.org/wiki/Damen_in_Weiß Leymah Gbobwee wurde am 01.02.1972 in Monrovia, Liberia, geboren. Als Bürgerrecht- lerin und Politikerin engagierte sie sich in unterschiedlichster Form. Mit ihrer überkonfessionellen Bewegung organisierte sie ein dreitägiges Seminar mit der Themenstellung „Auf welche Art und Weise Frauen selbst im Krieg für Frieden sorgen können“. Als Grundlage dienten Textstellen aus dem Koran und der Bibel. An einem Tag wurden christliche, am anderen Tag die moslemischen Frauen eingeladen. Sie befragte die Frauen, was sie von der jeweils anderen Gruppe denke. Es kam zu einem dritten gemeinsamen Tag und hierbei stellen die Frauen fest, „dass ihre unterschiedliche Religionszugehörigkeit kein Problem für die Zusammenarbeit darstellen sollte. Gemein- sam verfolgten sie das Ziel, sich für den Frieden in Liberia einzusetzen. Die mutigen Frauen initiierten Protestgesänge, öffentliche Gebete und tägliche Sit-ins auf den Markt- plätzen Monrovias.“ Als Zeichen des gewaltfreien Protestes kleideten sich die Mütter und Frauen ganz in weiß. Zeichen ihres Friedenswillens, der Reinheit und gegen brutale Übergriffe. friedensbildung.de/inhalt-der- ausstellung/liberia/frauen-in-weiss/ de.wikipedia.org/wiki/Leymah_Gbowee Ellen Johnson Sirleaf, geb. 29.10.1938 in Monrovia, eine in Harvard ausgebildete Wirtschaftsexpertin, wurde 2006 als erste freigewählte Präsidentin Liberias gewählt. Damit übernahm sie eine überaus schwierige Aufgabe, zumal zunächst der Fokus ihrer Arbeit die Aufarbeitung der Schreckenstaten des Bürgerkrieges war. In die von ihr ins Leben gerufene „Wahrheits- und Ver- söhnungskommission“ berief sie u.a. auch Leymah Gbowee. 2011 erhielten beide Frauen für ihren „Gewaltfreien Kampf für Sicherheit von Frauen und Frauenrechte“ den Friedens- nobelpreis. Mit ihnen wurde ebenso der Aktivistin und Journalistin Tawakkul Karmann aus dem Jemen diese Ehre zu Teil. de.wikipedia.org/wiki/Ellen_Johnson_Sirleaf Als ein jüngeres Beispiel aus der Geschichte sei ein Ereignis aus den USA im Jahre 2019 genannt. Die Repräsentantinnen der Demokraten im US-Kongress kleideten sich in Weiß. U.a. wollten sie damit an die Einführung des allgemeinen Wahlrechts vor ca. 100 Jahren in den USA erinnern. Damals trugen die Frauen die Kleiderfarbe weiß, um bei ihren Protesten für das Wahlrecht für Frauen mehr Aufmerksamkeit zu erzielen. Im Jahr 1968 wurde die erste Abgeordnete mit afroamerikanischer Herkunft in den Kongress gewählt. Shirley Chisholm ( geb. 1924, gest. 2005) trat in weiß gekleidet ihr Amt an. Sie übte ihr Mandat 14 Jahre lang aus. Derzeit sind ca. 25% der Mitglieder im Kongress weiblich. Bis heute gilt Weiß als Symbolfarbe für die Frauenrechtsbewegung. Eine Veröffentlichung des Projekts „Gemeinsam AKTIV“ Ansprechpartnerin für diesen Artikel: Irmgard Hillesheim | Tel. 02632 — 25 02-26 | hillesheim-i@caritas-andernach.de
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Foto: Antonio Cruz/ABr | CC BY-SA 3.0 BR via Wikimedia Commons