Das vorliegende Hörbild des Journalisten Eberhard Thomas Müller entstand als ein Produkt des Biographieprojektes „Meine Schulzeit nach dem Krieg ...“. Die Veranstaltungsreihe wurde von April bis Dezember 2003 von Mechthild Haase im Rahmen des Fachbereichs offene Altenarbeit in der Caritasgeschäftsstelle Ahrweiler durchgeführt.
Die inhaltlichen Schwerpunkte des Fachbereiches „Offene Altenarbeit“ liegen in der Prävention und Förderung des „kompetenten Älterwerdens“, also möglichst lange gesund, aktiv und selbstständig zu bleiben. Vor diesem Hintergrund kann die Beschäftigung mit der eigenen Biographie eine wichtige Orientierung bieten. Erinnern ist ein konstruktiver, kreativer Prozess, der helfen kann, den „roten Faden“ in der eigenen Vita zu entdecken. Damit werden zukunftsgestaltende Kräfte für ein aktives Leben im Alter geweckt.

Angeregt durch die biographische Seniorenkulturarbeit der ZWAR-Zentralstelle (Zwischen Arbeit und Ruhestand) NRW in Dortmund begann Mechthild Haase die Vorbereitung des genannten Biographieprojektes für die Zielgruppe der „jungen Alten“. Neun Frauen im Alter von 60 bis 73 Jahren trafen sich regelmäßig – insgesamt 15 mal – zur gemeinsamen „Reise in die eigene Vergangenheit“. Die Frauen, die mittlerweile alle im Kreis Ahrweiler leben, haben ihre Schulzeit in Schleswig Holstein, in Thüringen, in der Pfalz und im Großraum Köln verbracht. Anhand konkreter Fragestellungen ging es darum, die Nachkriegszeit aber auch Erlebnisse während des Krieges wieder lebendig werden zu lassen. Hinein geboren in eine Zeit geprägt von Angst und Zerstörung konnte von einem geordneten Schulunterricht keine Rede sein. Klassen mit fünfzig Schülern und mehr waren keine Seltenheit. Unterricht wurde in Notunterkünften durchgeführt, es fehlte an Büchern und Heften.

In der Runde reichte oftmals nur ein Begriff aus, um vergessene Begebenheiten aufleben zu lassen. Die Treffen waren sehr schnell geprägt von großer Dichte und Vertrautheit, wo schöne aber auch schwere Erlebnisse miteinander geteilt wurden: Erinnerungen an einen geliebten Mantel, aus dem alten Bademantel des Großvaters genäht, die Freude, lernen zu dürfen und die Angst vor der Schule sowie Flucht und Vertreibung. Mitgebrachte alte Poesiealben, Fotos und Schulbücher regten die zahlreichen Gespräche an.
Eine Zeit starker Gefühle, geprägt von Freude über das Kriegsende mit gleichzeitiger großer existentieller Not, aber auch einer allgemein spürbaren Aufbruchstimmung. Die Nachkriegszeit war keine Zeit der Depression, sondern eine Zeit starker Frauen und Mütter, die die „Ärmel hockrempelten“.
Im Rahmen einer Tagesveranstaltung führte Eberhard Thomas Müller Interviews durch und bereitete Originaltöne in seinem Studio dramaturgisch auf.
Allen Beteiligten sei für ihre Bereitschaft und ihr Engagement bei der Gestaltung des Hörbildes herzlich gedank! |