Veröffentlichung hier am 13. Juli 2010

Politiker mischen mit bei
„Demenzfreundlichen Kommunen“
Kampagne zum Thema Demenz
wird in Gemeinden am Rhein initiiert

Der dritte der „Workshops zur besseren Versorgung demenzkranker Menschen an der Rheinschiene“ fand nach Bad Breisig und Sinzig jetzt in Remagen statt. Renate Adam-Paffrath und Professor Dr. Hermann Brandenburg von der Pflegewissenschaftlichen Fakultät der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar leiteten die Veranstaltung, an der Vertreter aus Politik, Kirche, Gesundheitswesen und Gesellschaft teilnahmen. Dechant Dr. Johannes-Georg Meyer, Dekanat Remagen-Brohltal, zeigte sich „dankbar, dass Sie sich dieser Arbeit widmen. Demenz wird immer mehr ein relevantes Thema mit gemeinsamen Interessen. Angesichts leerer Kassen müssen Kirchen und Kommunen zusammenarbeiten.“
Der Nachmittag setzte auf diese Kooperation mit der Politik, sodass die Veranstalter schnell mit Silvia Mühl, Ortsvorsteherin von Sinzig, Amélie Reinke, Ortsbeirat Oberwinter, Silvia Czech, 1. Beigeordnete von Bad Breisig, Hans-Joachim Bergmann, 1. Beigeordnete von Remagen, Ortsvorsteher Walter Köbbing aus Remagen, Otto Lembke, Stadtrat von Remagen, Kreisbeigeordneter Friedhelm Münch und René Zerwas, Mitglied im Stadtrat Sinzig und im Ortsbeirat Westum, ins Gespräch kamen.
900.000 Menschen, die heute in Deutschland an Demenz leiden, sind eine gesellschaftliche Herausforderung. Allerdings werde Demenz nicht politisch thematisiert, sondern weggeschoben und privatisiert. Angehörige als „der Pflegedienst Nummer Eins“ überfordert diese Aufgabe, die zu 90 Prozent von Frauen geleistet wird, die meisten über 60 Jahre alt und älter.
Gegen das Wegschauen soll an der Rheinschiene eine Kampagne mit dem Ziel initiiert werden, Menschen mit Demenz in den Gemeinden zu integrieren und pflegende Angehörige zu unterstützen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist eine Sensibilisierung der Bevölkerung – also auch von Berufsgruppen wie Bäckern, Bankern, Beamten, Polizisten, Verkäuferinnen – notwendig. Professor Dr. Hermann Brandenburg: „Wir erreichen Menschen, die sonst nichts mit Demenz zu tun haben.“ In Anlehnung an die Demenzkampagne Ostfildern, die Gabriele Beck, Leitstelle für ältere Menschen Ostfildern, im Zuge des zweiten Workshops vorgestellt hatte, will die Kampagne die Öffentlichkeit für die Bedürfnisse demenzkranker Menschen sensibilisieren und zur Integration dieser Menschen mit ihren Familien beitragen.
Mehrere Veranstaltungen sollen in der Gesellschaft über „Positive Bilder“, die Demenz vom Anfang und nicht vom Ende her betrachten, Interesse am ehrenamtlichen und bürgerschaftlichen Engagement wecken: Erste-Hilfe-Kurse für Banken, Einzelhandel, Behörden, Polizei und Vereine, Infos und Tipps zum Umgang mit demenzkranken Menschen, die Präsentation ambulanter, teilstationärer und stationärer Hilfen, Offenes Singen, Tanztee, Wunschkonzerte für Menschen mit und ohne Demenz, Dokumentations- und Spielfilme zu diesem Thema sowie eine Podiumsdiskussion „Auf gute Nachbarschaft – Was können wir für Menschen mit Demenz in den Kommunen tun?“
Im Laufe eines Jahres sind acht bis zehn Veranstaltungen in Bad Breisig, Sinzig und Remagen geplant, wobei drei große Projekte in jeweils nur einer Stadt stattfinden. Eine Podiumsdiskussion soll den Abschluss der Kampagne bilden, die im nächsten Jahr geplant ist.
Um diese Initiative an der Rheinschiene umzusetzen, bedarf es der Politik. Der Kommune kommt dabei die Aufgabe zu, die Kampagne finanziell und personell zu unterstützen. Es können Spenden organisiert und Räume bereitgestellt werden. Die Kampagne muss politisch unterstützt und begleitet werden, um sie gesellschaftlich breiter aufzustellen.
Die anwesenden Politiker zeigten sich über die vom Arbeitskreis geleistete Vorarbeit begeistert und versprachen, das Thema in den Räten und Gremien zu kommunizieren. Damit kommt die Kampagne „Demenzfreundliche Kommunen“ an der Rheinschiene in Bewegung. |