Veröffentlichung hier am 8. Juli 2010

Wanderausstellung „Gewalt in engen sozialen Beziehungen“ in Mayen eröffnet
Ab Mitte Juli machen Interventionsstellen in Adenau auf „Gewalt in engen sozialen Beziehungen“ aufmerksam

Das Foto zeigt (von links): Dr. Susanne Smolenski, Bürgermeisterin Veronika Fischer, Caritas-Mitarbeiterin Tina Heidger, Polizeidirektor Gerd Bertram und Caritas-Geschäftsführer Werner Steffens.
Im Mayener Rathaus wurde kürzlich die Wanderausstellung der Interventionsstellen – Interventionsstelle Ahrweiler vom Trägerverein Frauen für Frauen e.V. und die Interventionsstelle Cochem/Mayen in Trägerschaft der beiden Caritasverbände Rhein-Mosel-Ahr e.V. und Mosel-Eifel-Hunsrück e.V. – zum Thema „Gewalt in engen sozialen Beziehungen“ eröffnet. Caritas-Geschäftsführer Werner Steffens bedankte sich bei den zahlreich erschienenen Gästen: „Sie alle zeigen mit Ihrem Kommen Wertschätzung für das Thema und markieren damit auch einen Standpunkt.“ Bürgermeisterin Veronika Fischer betonte die Wichtigkeit der Präsentation, denn „25 Prozent der Frauen sind irgendwann mit dem Thema Gewalt im familiären Umfeld betroffen. Gewalt geschieht hinter verschlossenen Türen und ist deshalb ein Tabu, das mit der Ausstellung gebrochen wird.“
13 Interventionsstellen (IST) helfen in Rheinland Pfalz Frauen, die von physischer, psychischer, sexualisierter, ökonomischer und/oder sozialer Gewalt in engen sozialen Beziehungen betroffen sind. Bei Einverständnis der Frauen werden deren Daten von der Polizei an die IST weitergegeben, die dann ein entsprechendes Beratungs- und Unterstützungsangebot macht. Basierend auf der Kampagne des Bundesverbandes Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe Frauen gegen Gewalt e.V. (bff) aus dem Jahr 2007 wurden von den Interventionsstellen in Zusammenarbeit mit den zuständigen Polizeiinspektionen und der Polizeidirektion eigene Standpunkte entwickelt. Polizeidirektor Gerd Bertram, die Dienststellenleiter, die Koordinatoren bei Gewalt in engen sozialen Beziehungen sowie freiwillig mitwirkende Polizeibeamte und -beamtinnen aus Mayen, Cochem, Remagen, Ahrweiler und Adenau waren an der Realisierung beteiligt. Polizeidirektor Bertram und eine Mitarbeiterin der IST entwickelten z.B. das Plakat „Bei Gewalt gegen Frauen treten wir gemeinsam auf.“ Der Standpunkt der Dienststellenleitung Adenau zeigt den Schriftzug „Wir decken Gewalt auf“, wobei die Dienststellenleitung eine rote Decke, unter welcher Waffen verborgen sind, wegzieht. Und die Inspektionsleitung Bad Neuenahr-Ahrweiler bezieht Stellung mit dem Satz „Häusliche Gewalt ist keine Privatsache; die Polizei hat jederzeit einen Fuß in der Tür“.
Den Höhepunkt der Vernissage in Mayen bildete der Fachvortrag von Dr. med. Susanne Smolenski, Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie an der Dr. Ehrenwall’schen Klinik Ahrweiler. Diese machte deutlich, dass eine gute und vor allem zeitnahe professionelle Erstversorgung der Betroffenen das Risiko und Ausmaß einer Traumatisierung verringert. Laut Dr. Smolenski wird Gewalt, ausgeübt durch andere Menschen, als „gravierender“ empfunden, als Unfälle oder Katastrophen und kann entsprechend schneller zu Traumatisierungen führen. 65 Prozent aller Gewalttaten geschehen in den Familien, ein Ort, der es Betroffenen aufgrund von Scham und Abhängigkeiten erschwert, über die Tat zu sprechen. Die akuten Folgen können erhöhte Schreckhaftigkeit, Reizbarkeit und Konzentrationsstörungen sein. Dr. Susanne Smolenski: “Diese Reaktionen klingen bei günstigem Verlauf in einigen Tagen, spätestens nach vier Wochen, ab.“ Das Trauma kann sich jedoch auch chronifizieren, sodass Angst- und Panikstörungen oder Suchterkrankungen die Folge sein können. Deshalb helfen die Interventionsstellen, möglichst zeitnah durch die Polizei eingeschaltet, das äußere und innere Chaos zu verlieren, indem sie Betroffene wieder handlungsfähig machen. Je früher sie fachliche Unterstützung erfahren, desto größer sind die Erfolgschancen. Damit machte die Referentin deutlich, wie wichtig und richtig die schnelle, professionelle Kooperation von Polizei und Interventionsstellen ist.
Ab dem 12. Juli wird die Ausstellung für 14 Tage in der Verbandsgemeindeverwaltung Adenau zu sehen sein. Es folgen Ahrweiler und Remagen. Im November wird die Ausstellung in der Kreisverwaltung Cochem/Zell im Zusammenhang mit dem Vortrag „Sucht und Gewalt“ gezeigt. |