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Veröffentlichung hier am 11. Mai 2010

Workshop „Demenzfreundliche Kommunen“
traf sich in Sinzig

Gabriele Beck, Leitstelle für ältere Menschen Ostfildern, stellte süddeutsches Projekt vor

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Das Foto zeigt Referentin Gabriele Beck (links) und Professor Dr. Hermann Brandenburg (rechts), der den dreiteiligen Workshop leitet.

Beim zweiten „Workshop zur besseren Versorgung demenzkranker Menschen an der Rheinschiene“ trafen sich im April Vertreter aller Pflegestützpunkte sowie von Pflegediensten, Altenzentren, Kirchen, Kommunen, Polizei, Bankenwesen, Vereinen und Privatpersonen im Johanniter Haus in Sinzig. Auch diese Runde wurde von Professor Dr. Hermann Brandenburg von der Pflegewissenschaftlichen Fakultät der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar geleitet.

Außerdem war mit Gabriele Beck, Leitstelle für ältere Menschen Ostfildern, eine kompetente Referentin aus Baden Württemberg gewonnen worden. Diese berichtete über die von ihr initiierten „Demenzkampagne Ostfildern“, die nicht nur pflegende Angehörige, sondern das Umfeld von Demenzkranken – die Verkäuferin, den Nachbarn – ansprechen und aufzuzeigen wollte, „was jeder einzelne tun kann. Wir wollten Mut machen, auf Demenzkranke zuzugehen. Aber welche Bilder, welche Sprache braucht es, um keine Angst auszulösen, sondern die Bürger zu ermutigen, sich zu informieren“, fragte die Referentin. 30 Veranstaltungen fanden in neun Monaten statt – Kunst, Kultur, Lesungen, Konzerte – sowie Erste-Hilfe-Kurse-Demenz für Vereine, den Einzelhandel oder die Polizei. Der „kommunikative Feldzug“ hatte eine geplante Dramaturgie und war zeitlich begrenzt. Damit wurde das Thema Demenz in die Öffentlichkeit getragen und an einem Tabu gerüttelt.

Wie erwartet, war die Resonanz anfangs schwach. Erst nach der dritten und vierten Veranstaltung erreichte die „Demenz Kampagne“ Menschen, die vorher nichts mit Demenz zu tun hatten. Auch neue Kanäle zu einzelnen Unternehmen, Kultur und Bildung taten sich auf. Am Ende war die Resonanz der Kampagne immens. Geblieben ist nach zwei Jahren ein Netzwerk aus bürgerschaftlichem Engagement und Nachbarschaft, professioneller Hilfen und Unterstützung für die Angehörigen. So fand in Ostfildern ein Paradigmenwechsel statt, weg von der profiorientierten Pflege hin zur bürgerorientierten Pflege. Dies muss auch hier bei uns geschehen, denn wir steuern in ganz Deutschland in den nächsten Jahrzehnten auf eine Versorgungslücke mit mehr Demenzkranken und weniger Versorgungsmöglichkeiten zu. Heute sind Familien, in denen ein Demenzkranker lebt, nach den Worten von Gabriele Beck, „fast immer isoliert. Demenz geht an den Verstand, verletzt unseren Intellekt und erzeugt Scham.“ Die Integration dieser Familien kann nicht über Pflegeprofis, sondern nur über Menschen vor Ort erfolgen. Gabriele Beck: „Die Kampagne hat Türen geöffnet, die Türen in den Köpfen“ und Ostfildern wurde zur „demenzfreundlichen Kommune“. „Viele Bundesbürger haben Angst, selbst an Demenz zu erkranken. Und dahinter steckt viel Nichtwissen“, so die Referentin am Ende ihres Vortrags. Im zweiten Teil des Nachmittags beschäftigten sich die Teilnehmer in drei Gruppen mit der Projektplanung, den Zielgruppen und der Öffentlichkeitsarbeit einer möglichen Kampagne zur demenzfreundlichen Kommune an Rheinschiene.

Die Ergebnisse der Workshops werden beim dritten Treffen am 2. Juni 2010 in Remagen Bürgermeistern, Fraktionsvorsitzenden und Ortvorstehern vorgestellt, damit auch hier bei uns mit Hilfe der Politik viele „demenzfreundliche Kommunen“ entstehen können.

Die Organisation der Veranstaltungsreihe liegt in den Händen von Katharina Steinich, Leitstelle Demenz im Landkreis Ahrweiler, und wird unterstützt von Mechthild Haase, Beratungs- und Koordinierungsstelle Ehrenamt - Caritas Ahrweiler, Adelheid Schröder, Diplom-Pädagogin und Validationsanwenderin, sowie von Liane Seemann und Uta Vogel von den DRK-Pflegestützpunkten. Anmeldung und Ansprechpartnerin: Katharina Steinich, Leitstelle Demenz im Landkreis Ahrweiler, Telefon: 02641 / 75 98 75

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