Veröffentlichung hier am 31. März 2010

Weihbischof informierte sich über
Lebenswege junger Migranten
Jörg Michael Peters besuchte Jugendmigrationsdienst

Pünktlich zum Besuch von Weihbischof Jörg Michael Peters war der neue Jugendraum des Mehrgenerationenhauses St. Matthias in Mayen im Untergeschoss fertiggestellt worden. Sich dem Motto des Josefstags widmend, „Jugendarmut“ in „Jugendmut“ zu verwandeln, kam der Kirchenmann schnell mit den Jugendlichen ins Gespräch.
So würde der 18jährige Dschamalajla aus Tschetschenien gerne Zahnmedizin studieren, darf aber als „nicht anerkannter“ Migrant laut Gesetz keinen Deutschkurs besuchen. „Dschamalajla kann nichts planen, selbst für den nächsten Tag nicht. Eine Situation, die in drei Monaten oder möglicherweise erst in drei Jahren entschieden wird“, führte Markus Göpfert, Leiter des Fachdienstes Migration, aus. Jugendliche, die über ein Jahr oder länger tatenlos herumsitzen müssen, fallen durch jedes soziale Netz. Weihbischof Jörg Michael Peters: „Nur weil er keinen Status hat, darf er kein Deutsch lernen. Ich wünschte mir mehr Menschlichkeit in die technokratischen Abläufe.“
Mehr Menschlichkeit verschafft der Caritasverband zurzeit 12 Frauen - 4 davon befinden sich im Asylverfahren und 8 besitzen einen gesicherten Aufenthalt - mit dem Berufsintegrationsprojekt (BIP). Es sind Migrantinnen, die kein Arbeitslosengeld II beziehen, doch diese einjährige Maßnahme besuchen, die Caritas-Mitarbeiterin Sonja Lauterbach dem Bischof vorstellte: Das BIP bietet eine zweiwöchige Einführung in die EDV und einmal pro Woche einen Praxistag am PC an. Außerdem stehen eine pflegerische und eine hauswirtschaftliche Qualifizierung und Praktika und vor allem der Sprachkurs zur Verbesserung der Deutschkenntnisse auf Sprachniveau B2 auf dem Stundenplan. Ganz wichtig sei es auch, mit Migranten Lösungen zu erarbeiten, wenn die in der alten Heimat erlernte Ausbildung in Deutschland nicht anerkannt werde, erklärte die heute hauptamtliche JMD-Mitarbeiterin Anna Ziegler, die auch ihren in Russland erlernten früheren Lehrerberuf nicht in Deutschland ausüben durfte.
Wie schnell andere junge Migranten ihren Weg gehen, erzählten die beiden Brüder Seener und Sezan. Als Christen mussten sie aus dem Irak fliehen, wurden hier als Flüchtlinge anerkannt und lernten schnell Deutsch. Die beiden 21- und 22-jährigen jungen Männer haben es geschafft und wollen demnächst Medizin und Wirtschaft studieren.
Allerdings suchen die Brüder noch nach einem Mentor, der sie auf dem Weg in die deutsche Gesellschaft begleitet. 17 Mentorinnen und Mentoren sind zurzeit im Projekt „InContact“ in Mayen und Ahrweiler tätig, das seit drei Jahren Menschen mit Migrationshintergrund begleitet, und ihnen bei Behördengängen, beim Suchen nach einer Arbeitsstelle oder Schreiben von Briefen Hilfestellung leistet. Dank ihres Mentors Albert Weber kann Zumaira aus Pakistan schnell Englisch für die 12. Klasse lernen und will bald ihr Abitur abgelegen. „Ich habe viel Positives im Leben erfahren und möchte viel Positives wieder zurückgeben“, so der 57jährige Mentor Albert Brants zu seinen Motiven. Von ihm erfährt Weihbischof Peters auch, wie ein Mentor vorgeht: „Als Mentor muss man sich auf eigene Fähigkeiten besinnen. Mentor und Jugendlicher müssen zusammen passen. Entweder man versteht sich oder man versteht sich nicht.“ Mentoren leisten ein hohes Maß an Beziehungsarbeit, die hauptamtliche Caritas-Mitarbeiter so nicht erfüllen können.
„Die Jugend braucht Ihre Ermutigung“, dankte Weihbischof Peters den ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihre sehr wichtige Arbeit. Caritas-Geschäftsführer Werner Steffens von der Geschäftsstelle Mayen dankte Weihbischof Jörg Michael Peters für den Besuch und für die Aufmerksamkeit, die er Jugendlichen geschenkt hat, die sonst nicht im Mittelpunkt der Öffentlichkeit stehen. |