Veröffentlichung hier am 10. März 2010

Hedi Thelen hatte ein Ohr
für Sorgen
junger Migrantinnen
Landtagsabgeordnete besuchte in Andernach
Caritas-Berufsintegrationsprojekt (BIP)

Das Foto zeigt Hedi Thelen (Bildmitte) umgeben von Teilnehmerinnen des Berufsintegrationsprojekts und Sonja Lauterbach (rechts).
Nah bei den Menschen möchte die Landtagsabgeordnete und sozialpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion Hedi Thelen sein. Und so besuchte sie in Andernach das Caritas-Berufsintegrationsprojekt (BIP), um von jungen Migrantinnen mehr über die Hürden und Schwierigkeiten eines Lebens in Deutschland aus erster Hand zu erfahren. Im BIP sehen die zwölf Frauen aus unterschiedlichsten Kulturen und Nationen – u.a. aus Aserbaidschan, den Philippinen, Polen, Syrien, Südamerika und der Türkei – eine echte Chance. Trotz Studium oder Ausbildung, trotz erfolgreicher Tätigkeiten in ihrem Heimatland – beispielsweise als Lehrerin oder als Sekretärin – fühlten sie sich vor dem BIP in der neuen Heimat „nutzlos“, „dumm“ und ganz verlassen. Integration läuft auf vielen Ebenen ab und es bestehen Klippen, von denen Einheimische nichts ahnen.
Zwei Teilnehmerinnen leben in Duldung, die alle drei Monate verlängert wird. Eine wartet seit dem Jahr 2006 auf eine Entscheidung, dass ihr Asylantrag endlich angenommen wird. Stets die Abschiebung vor Augen, kann sie nichts in ihrem Leben planen und die Weichen für eine sichere Zukunft stellen. Diese Frau würde gerne arbeiten, was ihr aber die Auflagen unmöglich machen. Sie berichtete resigniert von ihrem Ein-Euro-Job und ergänzte: „Nur beim gesicherten Aufenthaltsstatus gibt es mehr Geld.“ Hedi Thelen versprach ihr, bei der Ausländerbehörde nachzufragen, „woran es hängt?“
Alle Teilnehmerinnen sind froh, mit dem BIP eine Perspektive in Deutschland zu bekommen und betrachten Deutschkurse als unverzichtbar.
Caritas-Mitarbeiterin Sonja Lauterbach, die bereits viele Jahre mit Menschen mit Migrationshintergrund im Caritasverband gearbeitet hat, betonte, dass nicht nur die Eltern, sondern auch die Kinder von den Kursen profitieren: „Wenn die Eltern kein Deutsch sprechen, wie sollen dann deren Kinder gefördert werden? Aus diesem Grund bieten wir, unabhängig von der Arge, Sprachkurse an.“ Eine andere begabte Teilnehmerin, die seit November in Deutschland lebt und als Asylbewerberin keinen offiziellen Anspruch auf Deutsch-förderung hat, erreichte problemlos das Sprachniveau B2. Von ihrem Wohnort aus muss sie allein für den Sprachkurs monatlich 65 Euro als für die entstehenden Fahrtkosten aufbringen. Hilfreich sind auch berufsbezogene Sprachkurse, die es demnächst geben soll. Es wäre auch von Vorteil, wenn gut sprechende Ausländer den Frauen den Unterrichtsstoff noch einmal in der Muttersprache erklären würden. „In 20 Jahren hatte mir keiner bei den Behörden verraten, dass ich einen Deutschkurs machen könnte“, stellte eine Teilnehmerin resigniert fest und eine andere bestätigte die Erfahrung, in Deutschland ziemlich alleine gelassen zu werden: „Ich kann nur jedem raten: Man muss sich selbst kundig machen. Erkundigen sie sich viel, aber auf eigene Faust. Die Arge hilft hier nicht weiter.“ Es wirkt oft demotivierend, wenn beispielsweise einer intelligenten ehemaligen Sekretärin aus Polen erklärt wird, dass sie niemals in Deutschland mit einem Computer arbeiten werde. Hedi Thelen zeigte sich dankbar für die Informationen, die ihr die Migrantinnen mitgaben: „Wir alle müssen lernen, Menschen, die hier leben wollen, wertzuschätzen.“ Die Landtagsabgeordnete konnte sich überzeugen, dass sich die jungen Frauen im BIP sehr wohlfühlen und ihnen die Caritas mit diesem Projekt den Arbeitsmarkt eröffnet.
Das BIP hilft Migrantinnen aus Andernach, Mayen, dem Maifeld, Mendig und aus der Pellenz, die kein Arbeitslosengeld II beziehen. Die einjährige Maßnahme bietet eine zweiwöchige Einführung in die EDV und einmal pro Woche einen Praxistag am PC an. Außerdem stehen eine pflegerische und eine hauswirtschaftliche Qualifizierung und Praktika auf dem Stundenplan. Das alles gibt berufliche Orientierung. Besonders wichtig ist dabei auch der Sprachkurs zur Verbesserung der Deutschkenntnisse auf Sprachniveau B2. Derzeit sind noch zwei Plätze frei.
Interessentinnen wenden sich bitte an: Berufsintegrationsprojekt (BIP) für Migrantinnen im Caritasverband Rhein-Mosel-Ahr e.V.,
Agrippastr. 14,
Andernach,
Telefon: 02632 / 9479712, eMail: BIP@caritas-andernach.de |