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„Soziale Manieren für eine bessere Gesellschaft“15. Fachgespräch junge Migrant(inn)en thematisierte Lebenswelten in Deutschland |
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![]() Seit 20 Jahre leistet der Caritasverband Rhein-Mosel-Ahr e.V. Migrationsozialarbeit. Das vom Jugendmigrationsdienst (JMD) angebotene „Fachgespräch junge Migrant(inn)en“ geht bereits ins 15. Jahr. Für Markus Göpfert ein Beweis für die gute Arbeit, die seit anderthalb Jahrzehnten geleistet wird. Der Leiter des Fachdienstes Migration beglückwünschte die JMD-Mitarbeiterinnen Ruth Fischer, Sonja Lauterbach, Eva Pestemer und Anna Ziegler, die den regelmäßig im September statt-findenden Fachgesprächen eine Seele geben und die Abende spannend gestalten. Das 15. Fachgespräch, das übrigens zum ersten Mal im Mehrgenerationenhaus St. Matthias in Mayen stattfand, stand unter dem Caritas-Jahresmotto „Menschen am Rande – Soziale Manieren für eine bessere Gesellschaft“. Diskussionsstoff bot den Vertretern aus Bildung, Jugendarbeit, Politik, Schule, Behörden und Vereinen die „Sinus-Milieustudie“ die Lebenswelten, Werte und Einstellungen der in Deutschland lebenden Menschen unter die Lupe nimmt. Die Studie unterscheidet u.a. zwischen „Konservativen“, „Traditionsverwurzelten“, „DDR-Nostalgischen“, „Postmateriellen“, „Etablierten“, „Bürgerlichen“, „Hedonistischen/Konsummaterialistischen“ oder „modernen Performer Milieus“. Milieus werden von Menschen mit ähnlichem Lebensstil und ähnlicher sozialer Lage gebildet. Je höher ein Milieu angesiedelt ist, desto höher ist auch die Bildung - unabhängig davon, ob die Wurzeln ganz in Deutschland oder im Ausland liegen. Milieus bilden gemeinsame Kommuni-kationszusammenhänge, sodass laut Studie die Zugehörigkeit zu einem Milieu entscheidender ist als das Herkunftsland. Ruth Fischer: „Eine Migrantenfamilie aus z.B. dem bürgerlichen Milieu hat mit einer ursprünglich deutschen Familie aus dem gleichen Milieu mehr gemeinsam als mit den jeweiligen Landsleuten aus anderen Milieus. Menschen mit Migrationshintergrund bilden genau wie die einheimische Bevölkerung keine homogene Gruppe.“ |
Wie sich Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland fühlen und definieren, nimmt die Sinus-Studie ebenfalls in den Blick: 83 Prozent leben gerne in Deutschland und 82 Prozent fühlen sich mit diesem Land eng verbunden. Gleichzeitig identifizieren sich 68 Prozent im gleichen Maße auch mit ihrem Herkunftsland. „Eine hohe Verbundenheit mit dem Herkunftsland bedeutet also nicht, dass diese Menschen nicht integriert seien“, folgerte Ruth Fischer und ergänzte: „Nach der Studie erleben sich Menschen mit Migrationshintergrund, insbesondere aus den moderneren Milieus mit höherer Bildung, bikulturell und definieren sich als Teil dieser Gesellschaft.“ 65 Prozent der Befragten sprechen auch innerhalb ihrer Familien Deutsch, und 91 Prozent der Befragten legen größten Wert auf das Erlernen der deutschen Sprache. Sehr hoch ist mit 90 Prozent das Interesse an deutscher Politik. Allerdings fehlt es andererseits an entgegen-gebrachtem Interesse seitens der ein-heimischen deutschen Mehrheitsgesellschaft, was die Befragten aller Milieus beklagen. 25 Prozent der Menschen mit Migrations-hintergrund sehen sich von der deutschen Gesellschaft sogar isoliert und ausgegrenzt. Sie sind zum Großteil in den sogenannten „prekären Milieus“ zu finden; hier ist der Anteil Jugendlicher und junger Erwachsener be-sonders hoch. Um diese Menschen kümmert sich der JMD in erster Linie. Eva Pestemer: „Menschen aus Milieus mit geringen finanziellen Ressourcen und damit verbunden auch meist mit geringerer Bildung gehen am ehesten auf den Caritasverband zu. Migranten aus den höheren Milieus nehmen unsere Dienste seltener in Anspruch, wirken eher ehrenamtlich z.B. als Mentoren oder Multiplikatoren mit.“ Auch dieses Fachgespräch zeigte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern anschaulich, wie vielfältig Menschen mit Migrationshinter-grund wirklich sind und dass man nicht von dem Migranten im allgemeinen sprechen kann. Die Mitarbeiterinnen des Jugendmigrations-dienstes leisteten mit dieser Veranstaltung einen wichtigen Beitrag, der Vorurteile und Unwissenheit abbaut. Gefördert wird der Jugendmigrationsdienst vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. |
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