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Volkskrankheit Depression betrifft jedes LebensalterVortrag von Prof. Dr. Erich Grond in Ochtendung |
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![]() Das Foto zeigt (von links): Margot Herzog-Sauer, Professor Dr. Erich Grond und Martina Pickhardt. Großen Anklang fand der Vortrag „Depression – die häufigste psychische Krankheit im Alter“ von Professor Dr. Erich Grond, Dozent für Gerontopsychiatrie in Altenpflegeseminaren und an der Universität Dortmund. Im Rahmen der „Ochtendunger Vortragsreihe“ hatten Margot Herzog-Sauer, Heim- und Pflegedienst-leiterin des Alten- und Pflegeheims St. Martin, und Martina Pickhardt von der Beratungs- und Koordinierungsstelle Polch zu diesem Thema nach Ochtendung geladen. Der seit über 30 Jahren als Dozent der Aus- und Fortbildung von Fachkräften in der Alten- und Krankenpflege bekannte Psychotherapeut und Internist machte deutlich, dass Depression zu der häufigsten psychischen Störungen gehört: „Ein Drittel aller über 70Jährigen hat depressive Symptome. Im Alter leiden mehr Menschen unter Depression als unter Demenz.“ Viele dieser Patienten klagen u.a. über Schlafstörungen, Verstopfung und Appetit-losigkeit. Symptome, die oft von den Hausärzten behandelt werden, während sich in Wahrheit dahinter eine Depression verbirgt. „Vielfach erkennen die Ärzte nicht die Ursache, weil Ärzte auch heute in Sachen psychische Krankheiten sehr schnell ausgebremst sind“, urteilte Prof. Grond über seine Kollegen. „Bin ich als alter Mensch noch jemandem wichtig?“, lautet die entscheidende Frage. Depressive Menschen können in ihrem Leben keinen Sinn erkennen. Sie fühlen sich wertlos oder schuldig. Auslöser für Depressionen können Stress, Verlust, Misserfolgerlebnisse sein. Vieles gelingt mit zunehmenden Alter nicht mehr so perfekt, der Tod des geliebten Partners erzeugt Dauerstress, ebenso schränken Krankheit, die Minderung der Sehkraft oder Inkontinenz den eigenen Wirkungskreis ein und sind vielfach Auslöser von Depression. Da die meisten Depressionen aber hormonell bedingt sind, ist leider nur ein Drittel der Patienten medikamentös heilbar. |
Im Gespräch beschuldigen Depressive andere, sie klagen an. „Nach einem langen Therapie-gespräch habe ich oft den Eindruck, ich sei Schuld an seiner Depression“, berichtete der Gerontopsychiater aus der Praxis und warnte: „Pflegende sind gefährdet sich ‚anzustecken’. Depression ist kein Virus, ‚die Ansteckung’ erfolgt über die Kommunikation. Bei zu großer Nähe besteht die Gefahr der Über-identifikation.“ Untauglich sei es außerdem, jemanden die Krankheit ausreden zu wollen sowie selbst nicht zu akzeptieren, dass sich der Betroffene letztlich nur selbst helfen kann. Entmündigendes Schonen oder überfordern, falscher Trost oder der ungeduldige Appell, sich doch mal am Riemen zu reißen, sind ebenfalls falsch. Für Angehörige und Partner sei es wichtig, die schwere Krankheit zu akzeptieren und Geduld aufzubringen. Zur Selbständigkeit ermutigen, loben, Hilfe suchen, sich einfühlen, Vorwürfe des Depressiven abweisen und vor allem täglich selbst etwas Gutes für sich tun, empfahl Professor Grond beim Umgang mit depressiven Menschen: „Wer nicht mehr genießen kann, wird ungenießbar.“ Zudem sprach der Referent ein düsteres Thema an: So liegt die Suizidrate der an Depression erkrankten 65-79Jährigen bei 15 Prozent, während sich bei den über 80Jähirgen sogar 22 Prozent das Leben nehmen. In diesem Zusammenhang riet der Geronto-psychiater, Antidepressiva nur „einschleichend“ zu verabreichen. Diese wirken zu Beginn der Therapie aktivierend aber noch nicht auf-hellend, was die Gefahr des Suizids in der erste Phase erhöht. Auf die Frage einer Zuhörerin – „Was soll ich tun, wenn mir jemand von seinen Suizidgedanken erzählt?“ – entgegnete der Professor: „Antworten sie ihm: Ich versuche zu verstehen, warum du so verzweifelt bist. Gespräche sind das aller Wichtigste, dass jemand da ist, der versteht.“ Helfen könne auch, stellvertretend für den anderen zu hoffen, führte der Referent aus. Am Ende seines Vortrags forderte der über 80jährige die älteren Zuhörerinnen und Zuhörer seiner Generation auf: „Ich hoffe, sie werden ehrenamtlich tätig! Wenn sie ehrenamtlich tätig sind, werden sie nicht depressiv“, denn eine sinnvolle berufliche oder ehrenamtliche Tätigkeit macht zufrieden und schützt vor Depression. Die „Ochtendunger Vortragsreihe“ lädt am 29. September 2009 um 19:00 Uhr zur nächsten Veranstaltung ins Alten- und Pflegeheim St. Martin, Heinrich-Heine-Straße 7 – 11, ein. „Was tun, wenn Angehörige sterben?“ lautet der Vortrag von Ursula Wolf, Hospizfachkraft beim Hospizverein e.V. Mayen. |
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