Caritasverband Rhein-Mosel-Ahr e.V.

 

 
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„Wir, die Alten!“: Eine Lebensreise durch die Jahrzehnte

Altentheater des Freien Werkstatt Theaters Köln im Wohnstift Augustinum

         
 

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Lediglich in der letzten Reihe hatten einige Besucher bei der Suche nach einem Sitzplatz noch freie Auswahl. Ansonsten, ausverkauftes Haus im Augustinum. Dort bot das Altentheater des Freien Werkstatt Theaters Köln (FWT) das Stück „Wir, die Alten!“, eine Inszenierung gefüllt mit vielen individuellen Lebensgeschichten.

Einmal spielen die Schauspieler alle gängigen Klischees durch: erlebnissüchtige Alte, die ohne Rücksicht auf die Jüngeren in den Tag hineinleben. Dann erzählen sie aber szenisch ihre ganz persönlichen, tatsächlichen Erinne-rungen. Da war der beglückende Tag einer Vierjährigen Berliner Göre, die rückblickend feststellt: „Dieses Behütetsein hat mich für mein ganzes Leben gestützt“, oder ein älterer Herr berichtet vom traumatisierenden, frühen Tod seines Vaters. Ein anderer erzählt, wie er im „Jungvolk“ mit 150 Jungs Nazilieder grölend mehrmals um eine Kirche laufen musste, um den Gottesdienst zu stören, er selbst aber innerlich zerrissen war, da er gleichzeitig zur katholischen Jugend gehörte. Da war auch die Begegnung eines jungen Mädchens mit einer alten Frau 1942 in der Berliner U-Bahn. Das Mädchen bot ihr einen Platz an, doch diese blieb stehen und gab sich ihr als Jüdin zu erkennen.

Anschließend brachten die Schauspieler das Flüchtlingsschicksal und die Zerrissenheit vieler im Nachkriegsdeutschland auf die Bühne. „Ich war überzeugter Hitlerjunge und Soldat. Erst nach und nach begriff ich, was geschehen war. Aber ich hatte niemanden, bei dem ich mich hätte aussprechen können“, bekannte ein älterer Herr. „Was wir wussten, was wir hätten wissen können?“ ist eine Frage, die eine Darstellerin bis auf den heutigen Tag immer und immer wieder bewegt.

 

Auch das Schmuggeln und die befreienden Gefühle der Nachkriegszeit kamen zur Sprache: „Endlich Demokratie. Ich darf endlich sagen, was ich denke. Und keiner sperrt mich ein.“

Außerdem berichtet eine Frau, wie der Tod ihres Onkels – dieser war als Epileptiker von den Nazis umgebracht worden – bis heute ihr Denken über das Thema Sterbehilfe bestimmt. Und sie äußert sich nachdenklich über die neu aufflammende Diskussion: „In den 60er Jahren hatte ich das Gefühl, dass das Denken sich verändert hat. Und ich denke immer wieder an meinen Onkel.“

Resignation und Freude über 70, 80, 90 gelebte Jahre kommen auf der Bühne zur Sprache. Dabei wird nichts geschönt, die Unausweichlichkeit des Todes nicht ignoriert: „Ich gehe leer ins Dunkel und hatte nie richtig Licht. Nachts versuche ich das Sterben zu lernen. Atmet er noch neben mir? Für wen bin ich was – und wie lange noch?“ sind Fragen, mit denen die Schauspieler ihr Innerstes nach außen kehren. Und die positiven Ansätze sind keine billigen Vertröstungen: „Probleme lösen sich auf, alles wird klarer, differenzierter. Der Morgen kommt, alles kommt wieder. Ich schaffe es.“ Auch die Möglichkeit des späten Liebesglücks und der Lebenslust negieren das Negative nicht, sondern sind vielmehr ein lebensbejahendes „dennoch“: Dennoch lohnt sich das Leben, lohnt sich das Spiel auf der Lebensbühne bis zum letzten Akt.

Diese Lebensfreude kam ebenfalls in der anschließenden Gesprächsrunde zum Aus-druck. So sieht sich eine Darstellerin, sie kam mit 88 zur Bühne und ist heute 93 Jahre alt, selbstironisch als „Spätzünder“. Auch die Alten können noch etwas bewegen, sie können kreativ, innovativ sein. „Wir, die Alten!“ ein Theaterstück, das Älteren Mut machte und den Jüngeren zeigte, dass alte Menschen keine zerbrochenen Persönlich­keiten sind, die zu nichts mehr zu gebrauchen wären. Ein Spiel, das Brücken in der eigenen Seele und zwischen den Generationen baut.

Ein gelungener Theaterabend, für den sich das Publikum mit stehenden Ovationen bedankte.

Ein besonderer Dank gebührt auch der Beratungs- und Koordinierungsstelle Ehrenamt der Caritas Ahrweiler und dem Wohnstift Augustinum, die diesen Abend erst möglich gemacht haben.

 
         
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