Caritasverband Rhein-Mosel-Ahr e.V.

 

 
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Ausstellung „Kevin – ein Kind der Armut“ auch hier bei uns

Veranstaltungen in der Pfarrkirche Remagen zu Kinderarmut im Kreis Ahrweiler

         
 

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Annemarie Hoffmann bei ihrem Vortrag während der Begleit-veranstaltung in der Pfarrkirche Remagen.

Die Ausstellung „Kevin – ein Kind in Armut“, von der Fachkonferenz „Caritas“ im Dekanat Remagen–Brohltal vom Mai bis zum 2. Juni in der katholischen Pfarrkirche St. Peter und Paul in Remagen gezeigt, erzählte in Bildern und Texten das Leben des Jungen „Kevin Birk“ von der Geburt bis zu seinem 12. Lebensjahr. Dekanatsreferent Wolfgang Henn: „Es ist eine konstruierte Geschichte, die einerseits Ein-kommensarmut als Ursache für Benachteiligung in anderen Lebensbereichen wie etwa Wohnverhältnisse, Gesundheit, Bildung, Integration, Freizeitchancen darstellt und anderseits eine Ahnung vom Lebensgefühl sozial benachteiligter Menschen vermittelt.“

Bei der von der Kölner Musikgruppe „indigo“ musikalisch gestalteten Eröffnung legte Professor Dr. Stefan Sell vom Campus Remagen beunruhigende Zahlen vor. Demnach sind in Deutschland über 16 Prozent der Kinder Hartz-IV-Empfänger. Von diesen leben 71.000 Kinder in Rheinland-Pfalz und 1.600 im Kreis Ahrweiler. Fast jedes zehnte Kind im Kreis Ahrweiler lebt in einem Hartz-IV-Haushalt. Professor Dr. Stefan Sell: „Das ist die offizielle Armut. Dann gibt es noch viele, die keine Leistung erhalten und deshalb in der Statistik nicht auftauchen. Armut ist mehr als Besitzlosigkeit, sondern bedeutet nichts haben, nicht sein, nicht dürfen.“ Eltern falle es zunehmend schwer, Kleinbeträge von 5 bis 10 Euro für Schulausflüge, den Sportverein und dergleichen zu zahlen. Heute seien weniger die Alten von Armut betroffen, vielmehr finde in diesem Bereich eine „Infantilisierung“ statt. Professor Sell: „Kinder sind heute das größte Armutsrisiko. Armut von und Armut durch Kinder, darüber müssen wir sprechen.“ Tatsächlich seien in Deutschland die untersten Haushalte am stärksten mit Steuern und Abgaben belastet.

 

Bürgermeister Herbert Georgi unterstrich die Ausführungen aus seiner Sicht. So leben in Remagen 235 Kinder und Jugendliche von Leistungen des Sozialamtes. „Die Lebens-umstände haben sich verschlechtert“, da es für Kleidung, Hausrat, Medikamente heute keine Einmalbeihilfen mehr gibt. Der Erzieher Jens Gemein von der Kindertagestätte „St. Anna“ in Remagen wies auf die unterstützenden Maßnahmen im Hortbereich hin. Dechant Dr. Johannes-Georg Meyer mahnte ein waches Auge und ein waches Herz an: man könne Familien in Not nicht nur mit Geld, sondern auch mit geschenkter Zeit unterstützen.

„Woran erkenne ich Armut im Alltag? Wie kann ich damit umgehen?“ lautete das Motto der Begleitveranstaltung, die Ende Mai von Annemarie Hoffmann und Mechthild Haase, beide tätig in der Caritas-Geschäftsstelle Ahrweiler, moderiert wurde. „Man kommt an dem Thema nicht vorbei. Das ist unser täglich Brot bei der Caritas“, so Annemarie Hoffmann mit langjähriger Erfahrung in der Schwangeren-beratung und im Allgemeinen Sozialen Dienst. Gerät ein Elternteil durch Krankheit in Arbeitslosigkeit, hat die Familie auch beim dritten Kind am Ende weniger in der Geldbörse. Zudem führe Arbeitslosigkeit zur Resignation, was sich wiederum negativ auf die Tages-struktur in der Familie auswirkt und damit alle Familienmitglieder, also auch die Kinder, belastet.

Die engagierten Teilnehmerinnen und Teil-nehmer der Begleitveranstaltung spürten, dass man mit viel Behutsamkeit an das Thema herangehen muss und, wolle man helfen, sich nicht aufdrängen darf. Durch sensible Aufmerksamkeit müsse erst ein Vertrauens-verhältnis geschaffen werden.

Außerdem kam zur Sprache, dass der Hartz IV-Satz, den Kinder unter 14 Jahren monatlich erhalten, viel zu gering ist. Dieser sieht lediglich 2,57 Euro für die tägliche Nahrung vor, obwohl sich Kinder im Gegensatz zu den Erwachsenen in der Wachstumsphase befinden. Bei 2,50 Euro für ein Mittagessen in der Kindertages-stätte – ein angemessener Betrag – bleibt damit kaum etwas übrig für die anderen Mahlzeiten.

Nur 8,47 Euro darf ein Kind mit Hartz-IV für eine Monatsfahrkarte ausgeben, 87 Cent in der Woche sind für Freizeit- und Sport, 32 Cent in der Woche für Sportartikel oder Spielwaren vorgesehen. Der Gruppe wurde deutlich, dass der Regelsatz für Kinder und Jugendliche von 211 Euro dringend auf den tatsächlichen Bedarf angehoben werden muss.

„Kevin – ein Kind in Armut“ ist eine vor einigen Jahren vom Caritasverband Saarbrücken geschaffene und im Kreis Ahrweiler bereits mehrfach gezeigte Wanderausstellung, die nichts von ihrer Aktualität verloren hat. „Kevin“, das könnte auch ein Kind aus dem Kreis Ahrweiler sein.