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Würdige Begleitung vom Leben in den TodProf. Erich Grond warb in Kollig um Verständnis für verwirrte Menschen |
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![]() Großen Anklang fand der Vortrag „Begleitung von verwirrten Menschen in ihrer letzten Lebensphase“ von Prof. Dr. Erich Grond, Dozent für Gerontopsychiatrie in Altenpflege-seminaren und an der Universität Dortmund, zu dem die Caritas-Sozialstationen Mayen und Polch nach Kollig in die Hochkreuzhalle eingeladen hatten. Der seit über 30 Jahren als Dozent der Aus- und Fortbildung von Fachkräften in der Alten- und Krankenpflege bekannte Psychotherapeut und Internist machte deutlich, dass nicht die steigende Zahl Demenzkranker, sondern Mängel in der Versorgung und Unterstützung ein Problem darstellten. Jedoch habe sich der richtige Umgang mit Demenzkranken durch unterstützende Berufsgruppen und Angehörige in den letzten Jahren verbessert. Auch bei der Sterbebegleitung sei es wichtig, zu verstehen, was der Demenzkranke mit seinem oft unlogisch erscheinenden Verhalten und Worten äußern will. Häufig sehen Demente Dinge, die real nicht existieren, z.B. einen Hund. Es konnte wissen-schaftlich nachgewiesen werden, dass genau die gleichen Hirnregionen aktiv sind wie bei der später real geschaffenen visuellen Situation, sodass also der Demente tatsächlich etwas „sieht“, z.B. einen nicht existenten Hund. Hier sollen Angehörige und Pfleger dem Menschen auf der emotionalen Ebene begegnen und etwa fragen: „Hatten sie früher Hunde gern?“ Gefühle sind in dieser Situation die wichtigste Botschaft. Sagt eine Patientin beispielsweise zu einer fremden Pflegekraft, „du bist meine Tochter“, so ist diese Aussage als Dank zu verstehen: „Du pflegst mich gut!“ Gleichzeitig ist mit dieser konstruierten Nähe auch der Appell verknüpft: „Pflege mich weiter!“ |
Überhaupt möchte der Wissenschaftler in der Pflege einiges geändert wissen. Statt der drei „S“ – sauber, satt und still – fordert Professor Grond die drei „Z“ – Zuwendung, Zeit und Zärtlichkeit. Aber wer soll diese wichtige Aufgabe übernehmen, sind professionelle Pflegekräfte doch bereits an der Grenze des Machbaren angelangt? Der über 80jährige Referent sieht hier seine eigene Generation gefordert, Kranke zu besuchen und pflegende Angehörige zu entlasten, denn die Jüngeren müssten noch Geld verdienen. Wörtlich sagte Prof. Dr. Erich Grond: „Die Alten sollten das Ehrenamt übernehmen. Was tun die Alten den ganzen Tag? Sie schauen einen Krimi nach dem andern. Und da wundern wir uns, dass sie aggressiv werden? Alte Menschen, die ehren-amtlich arbeiten, sind weniger depressiv.“ Emotional erreichbar sind demenziell ver-änderte Menschen durch das sogenannte „Psychobiographische Modell“, also z.B. mit Familienalben, Tagebüchern, Urkunden, alten Briefen, persönlichen Ritualen oder Lieblings-speisen. Zwar können diese Menschen nicht mehr religiös denken, bleiben aber im „Vertrauensglauben spirituell empfänglich in der Beziehung zu Gott. Wir brauchen seelsorgliche Begleitung, und die kommt leider zu kurz“, mahnte der Fachbuchautor. Auch sei es am Sterbebett wichtig zu wissen, dass Komapatienten hören können und auf Personen unterschiedlich mit Ruhe oder Unruhe reagieren. „Vermeiden Sie zu ver-kindlichen, seien sie vielmehr mitfühlend und wertschätzend. Die erlebnisorientierte Pflege würdigt den Menschen, gibt Raum für Gefühle, Erleben und Humor“, führte Prof. Dr. Erich Grond aus. Auch das Vorlesen von Märchen oder Haustiere können hilfreich sein. Das Singen von Kirchenliedern, gemeinsames Beten helfen, die Angst vor dem Sterben und dem Danach zu nehmen. All diese Dinge tragen dazu bei, auch vor dem Tod am Leben teilzunehmen, denn diese Menschen vegetie-ren nicht, sie leben! Mit diesem hochkarätigen Referenten hatten die Sozialstationen ganz aktuelle Fragen unserer Gesellschaft angesprochen. |
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